Wie Lachen gewachsen ist
Vor 1919 war Lachen ein kleines Dorf am See. Im Lauf des 20. Jahrhunderts wuchs es in alle Richtungen, nördlich der St. Gallerstrasse und über die Bahnlinie hinaus, und mit ihm der Verkehr durch den engen Dorfkern, bis zur Kernentlastung von 2017.
Die Landeskarten von swisstopo aus jeder Nachführung des Blatts Lachen: die Siegfriedkarte ab 1889, die Landeskarte ab 1960 (beide 1:25'000). Der letzte Schritt ist die heutige Karte, markiert mit dem, was die Entlastungsstrasse und das neue Verkehrsregime 2017 verändert haben.
Die Umstellung
Vor der Kernentlastung fuhren täglich rund 9'100 Fahrzeuge durch den Dorfkern. Innerhalb eines Jahres hatte sich der Hauptstrom auf die neue Strasse entlang der Bahnlinie verlagert. Jeder Punkt ist ein simuliertes Fahrzeug auf seinem Weg durch ein Modell des Lachner Strassennetzes.
Über die Jahre
Der Kanton zählt den Verkehr das ganze Jahr an den Zufahrten, einige Zählstellen seit 2014. Auf den Strassen nach Lachen hat sich der Verkehr mit der Eröffnung der Kernentlastung kaum verändert: Sie hat nicht mehr Autos gebracht, sondern sie aus dem Zentrum verlagert. Auf der Kernentlastung beim Bahnhof wurden seit 2019 jedes Jahr 11'200 bis 12'500 Fahrzeuge pro Tag gezählt.
Fahrzeuge pro Tag, beide Richtungen, als Jahresmittel der festen Zählstellen des Kantons. Hohle Punkte sind Jahre mit Bauarbeiten in der Nähe. Nicht jede Zählstelle hat jedes Jahr gezählt.
Das Modell
Das Modell stützt sich auf zwei Arten von Zählungen. Der Kanton Schwyz zählt den Verkehr das ganze Jahr an festen Zählstellen: bei den Kreiseln an beiden Enden der Kernentlastung, auf der Strasse zur Autobahn und beim Knoten Richtung Wangen, einige davon seit 2014. Die Maturaarbeit ergänzt Zählungen im Zentrum, vor und nach der Kernentlastung. Die Strassen werden zu einem Graphen, einmal pro Strassennetz, übernommen aus OpenStreetMap, wie es damals erfasst war: Juni 2016 für vorher, September 2018 für nachher. Einbahnregeln, Höchstgeschwindigkeiten und welche Strassen es gab, stammen so aus den Kartendaten der Zeit: vorher Herrengasse und Marktstrasse als Kantonsstrassen mit Einbahnverkehr und Tempo 50 und keine Entlastungsstrasse; nachher die Entlastungsstrasse, die Fussgängerzone und Begegnungszonen mit Tempo 20 im Zentrum.
Fahrten beginnen und enden an den drei Zufahrten (von Altendorf, von Wangen und beim Autobahnkreisel) und an den 85 Stellen, wo eine Seitenstrasse ins Netz mündet. Jede Seitenstrasse ist nach den Gebäuden gewichtet, die ihr am nächsten liegen. Es gibt drei Arten von Fahrten: Durchgangsverkehr zwischen den Zufahrten, Fahrten von jeder Zufahrt in einen von vier Ortsteilen und zurück sowie Fahrten zwischen Seitenstrassen. Die Fahrten verteilen sich auf die Routen ihres Zeitraums, die etwa gleich lang dauern, und bleiben wenn möglich auf den Hauptstrassen: Eine Minute auf einer Quartierstrasse zählt wie drei auf einer Hauptstrasse. Mit diesem Wert sagt das Modell eine Zählstelle, die beim Anpassen weggelassen wird, am besten voraus.
Wie viele Fahrten jeder Art es gibt, wird für alle Jahre gleichzeitig angepasst, mit einem Strafterm, der benachbarte Jahre ähnlich hält. Die Karte zeigt das Mittel von 2014 bis 2016 und von 2018 bis 2025. Der Durchgangsverkehr ändert sich nur langsam, auch bei der Eröffnung der Kernentlastung: Sie hat die Wege verändert, nicht die Ziele. Über alle Zählungen des Kantons liegt das Modell im Mittel um 10% daneben, über die Zählungen der Arbeit um 21%.
Fahrzeuge pro Tag, beide Richtungen. Die Zählstellen des Kantons als Mittel von 2014 bis 2016 und von 2018 bis 2025, ohne Jahre mit Bauarbeiten; die Zählungen der Arbeit vor der Kernentlastung gegen das Mittel des Modells von 2014 bis 2016. Veränderungen ohne gezählten Ausgangswert (Schützen-, Oberdorf-, Vordere und Hintere Bahnhofstrasse) gehen als Verhältnis ins Modell ein und fehlen hier. Die Biberzeltenstrasse ist nicht dabei: Ihr Verkehr kommt aus dem Quartier selbst, das im Modell nicht enthalten ist.
Langsamer, aber öfter zu schnell
Die Höchstgeschwindigkeit im Zentrum sank von 50 auf 30 oder 20 km/h. Die ganze Geschwindigkeitsverteilung verschob sich nach unten, aber weniger weit als das Limit: In der Schützenstrasse ist heute die Hälfte aller Fahrzeuge darüber.
Geschwindigkeitskurven, rekonstruiert aus zwei veröffentlichten Werten pro Strasse: V85, die Geschwindigkeit, die 85% der Fahrzeuge nicht überschreiten, und der Anteil über dem Limit. Gemessene Geschwindigkeiten sind schief verteilt, deshalb sind die Kurven schiefe Normalverteilungen. Die Schiefe stammt aus den drei Wochen der Arbeit, in denen jedes Fahrzeug einzeln erfasst wurde: in Tempo-20-Zonen ein Ausläufer schneller Fahrer, in Tempo-30-Zonen viele langsame Fahrzeuge. Wo der alte Anteil auf 0 oder 1% gerundet war, bleibt die Streuung von 2018. Die Prozentwerte rechts sind gemessen.
Die Maturaarbeit
Alle Zählungen auf dieser Seite stammen aus meiner Maturaarbeit an der Kantonsschule Ausserschwyz von 2018, meinem ersten Programmierprojekt. Die Gemeinde Lachen, der Kanton Schwyz und die Kantonspolizei stellten mir ihre Rohdaten zur Verfügung: rund 500 Tabellen von verschiedenen Geräten, Richtungen und Zeiträumen. Herauszufinden, was echte Messungen und was Hochrechnungen waren, dauerte länger als alles andere.
Für die Visualisierung lernte ich Processing von Grund auf und schrieb ein Programm, das die Strassen von Lachen aus fast 40'000 Zeilen OpenStreetMap-XML nachbaute und jede gezählte Strasse mit Breite und Farbe nach ihrem Verkehr zeichnete: statische Karten für die schriftliche Arbeit und animierte für die Präsentation. Um Geschwindigkeitsübertretungen aus Berichten mit nur V50 und V85 zu schätzen, legte ich einen Tangens hyperbolicus durch die beiden Punkte.
Diese Seite geht mit denselben Zahlen weiter: ein Netzmodell, das die Strassen ohne Zählung ergänzt, eine Simulation der Fahrzeuge darauf und Geschwindigkeitskurven, angepasst an die Wochen, in denen jedes Fahrzeug einzeln erfasst wurde.